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Burnout-Gesellschaft: Warum wir alle ständig erschöpft sind! | Terra Xplore mit Jasmina Neudecker

By Terra Xplore

Summary

Topics Covered

  • Burnout entsteht durch zu viel Arbeit und Verantwortung
  • Chronischer Stress schaltet den Körper auf Sparmodus
  • Erschöpfung begleitet die Menschheit seit jeher
  • Arbeit ist zur Ersatzreligion geworden
  • Mehr vom Lebendigen statt weniger vom Belastenden

Full Transcript

Mein Leben war ein Hürdenlauf.

Also ich bin von einer Hürde zur nächsten und zur nächsten.

Ich habe mir nie die Zeit genommen, zu regenerieren.

Burnout.

Das ist doch so ein Begriff, da haben wir alle gleich ein Bild, oder?

Aber was bedeutet es eigentlich, wirklich ausgebrannt sein, auszubrennen?

Und woran merke ich, ob ich da auf dem besten Weg hin bin?

Als ich auf die Arbeit gegangen bin, habe ich mir innerlich gewünscht, dass mich ein Bus überfährt, dass ich nicht auf die Arbeit gehen muss.

Ich will mich heute damit beschäftigen, dass es doch so wirkt, als seien unser aller Batterien immer leerer.

Was treibt uns denn zu einem Leben, das in der völligen Erschöpfung endet?

Was sind die Faktoren, die uns wirklich die Energie rauben?

Und wie laden wir die Batterien wieder auf?

Let’s Xplore!

Ich habe eine Befragung aus dem Jahr 2023 gesehen, die mich ehrlich gesagt irgendwie ganz schön geschockt hat.

Da haben nämlich nur 20 % der Befragten gesagt, dass sie für sich selbst gar kein Risiko sehen, ein Burnout zu kriegen.

80 % haben die Gefahr für sich zwischen leicht und schwer eingeschätzt.

Das ist schon irgendwie eine heftige Bestandsaufnahme für mich.

Um besser zu verstehen, was da dahinter steckt.

Treffe ich jetzt eine Frau, die das selber erlebt hat.

Fatma.

Die 33-jährige ist seit fast drei Jahren als People- und Projektmanagerin selbstständig, zurzeit in Frankfurt.

Hallo! Darf ich euch stören? Seid ihr fertig?

Schön dich zu sehen.

Ich freu mich auch dich mal in Real Life kennenlernen.

Wir sprechen ja heute über das Thema Burnout.

Was bedeutet denn das für dein Leben?

Also ich glaub Burnout hat einfach mein Leben komplett umgeworfen.

Ich stand am Anfang meiner Karriere und habe gedacht, jetzt starte ich endlich durch.

Jetzt bin ich endlich angekommen, habe einen Job, bin in eine neue Stadt gezogen, verdiene jetzt Geld, endlich mal und dann hat es mir so komplett den Boden unter den Füßen gerissen und das hat echt was mit mir gemacht.

Wann waren denn so die ersten Symptome, wo du gemerkt hast, da ist jetzt, da passiert gerade was mit mir.

Ich habe, während ich Vollzeit gearbeitet habe, noch die Masterarbeit geschrieben, habe da einen Anruf von meinem Professor bekommen, der dann gesagt hat: “Du musst innerhalb von zwei Monaten abgeben, sonst suchst du dir ein neues Thema und einen neuen Prof.”

Und das hat mich dann dazu geführt, dass ich dann komplett zusammengebrochen bin.

Und als ich auf die Arbeit gegangen bin, habe ich mir innerlich gewünscht, dass mich ein Bus überfährt, dass ich nicht auf die Arbeit gehen muss.

Und das war schon so ein Warnzeichen.

Aber ich habe das überhört, weil ich einfach so in diesem Trudel war.

Ja. Und ich habe gemerkt, dass ich die Reißleine ziehen muss.

Als ich in meiner Ein-Zimmer-Wohnung stand und eine Panikattacke bekommen hab.

Dein Herz rast so schnell, dass du nicht mehr weißt, also dass du das Gefühl hast, dass du stirbst.

Und da habe ich mir gedacht okay, da stimmt irgendwas nicht.

Wie fühlt sich das an, in diesem Zustand zu sein?

Also bei mir war es so, deine Gedanken kreisen die ganze Zeit.

Du kannst nicht schlafen.

Du hast enorm, bist erschöpft.

Und damals hatte ich das große Glück, dass mein damaliger Exfreund da war, der dann gesagt hat, wir müssen am nächsten Tag direkt zum Arzt.

Und die Ärztin hat mich nur angeschaut und gesagt: “Sie haben Burnout.”

Hat sie das direkt so...

Sie hat der direkt mich angeschaut, und gesagt: “Sie haben Burnout.” Und das war wie so ein Schlag ins Gesicht.

Was hast du in dem Moment gedacht?

Der erste Gedanke war nicht: Okay, wie kann ich heilen?

Sondern: Wie sage ich das meiner Familie?

Wie sag ich das meinem Umfeld?

Und wie kann ich das vor meinem Arbeitgeber verstecken?

Wovor hattest du Angst?

Dass mich Leute direkt labeln und sagen: “Die ist nicht belastbar.”, oder: “Was stimmt mit der nicht?”.

Eins der Kernsymptome von Burnout ist Erschöpfung.

Laut der medizinischen Klassifizierung ist Burnout keine eigenständige Krankheit.

Es ist eher etwas, das unser Risiko für Erkrankungen wie Depressionen oder eine Angststörung erhöht.

Das hängt auch explizit mit chronischem Stress am Arbeitsplatz zusammen.

Die beiden anderen Kernsymptome, sind eine zynische Abgrenzung vom Job und auch ein Leistungseinbruch.

Dazu kommt es natürlich nicht einfach so.

Ich will hier in Jena, mit der Biopsychologin Veronika Engert darüber sprechen, wie ein Burnout eigentlich entsteht.

Wie kann ich mir denn vorstellen, wie der Weg bis zu dieser totalen Erschöpfung ist?

Es gibt verschiedene Phasenmodelle im Burn out, aber das Vier-Phasen-Modell ist sehr einfach und kann das sehr schön zeigen, wie man aus dieser anfänglichen Superproduktivität Idealisierung der Arbeit, die man macht und da ganz viel investieren und wirklich da drin aufgehen und sich damit identifizieren, in eine Phase kommt, wo das Ganze dann beginnt, anstrengend und weniger belohnend zu werden,

aber man immer noch vollen Input gibt.

Also immer noch alles, was man so hat investiert, um am besten auch wieder zurück zu diesem idealisierten Zustand zu kommen.

Und in der dritten Phase setzen dann diese typischen Symptome ein, dass man beginnt kraftlos zu werden und das nicht mehr schafft, seine ganze Energie zu investieren.

Bis es dann in der vierten Phase eben ein voller Burnout ist und man gar nicht mehr funktioniert.

Was unterscheidet denn ein Burnout dann am Ende noch von einer schweren Depression?

Also ein Burnout kann auch zu einer Depression führen.

Und begrifflich ist das, wird das Ganze auch nicht sauber getrennt, muss man wirklich sagen.

Also ich habe so den Eindruck, dass man gerne Burnout sagt und Depression meint.

Aber Burnout hat sozusagen den besseren Namen, weil dahinter steckt.

Na ja, man hat ja vorher ganz viel geleistet.

Das haben ja viele Leute auch so im Kopf.

Vom Prinzip ist eine Depression eine psychische Störung, bei der man sich sehr stark auf die Symptomatik konzentriert, die oft auch überlappend ist, mit dem Burnout aber gar nicht so stark die Ursachen im Vordergrund stehen, während der Burnout, da ist es eben so ganz klar die Ursachen sind zu viel Arbeit, zu viel Verantwortung, zu viel von sich geben.

Ich finde es so spannend, weil in dieser Situation ganz viel arbeiten zu müssen oder ganz viel Stressfaktoren, die an einem zehren zu haben, sind ja sehr viele Menschen.

Warum kriegt denn der eine ein Burnout und der andere nicht?

Dieser besondere Ehrgeiz und Perfektionismus ist zum Beispiel ganz klar ein Risikofaktor.

Das fängt ja auch oft sehr, sehr früh an und hat Ursachen in der Kindheit, dass man das Gefühl hat, man wird nicht gesehen und man, man muss den Eltern zeigen, wie gut man ist.

Oder man muss es den Lehrern zeigen oder man muss es der ganzen Welt zeigen.

Im Endeffekt dieses Beweisen wollen, wie gut man ist und dass man es wert ist.

Also wenn Erschöpfung so ein Kernsymptom von dem Burnout ist, was würdest du sagen, ist denn so die Hauptursache, die ganz konkret zu dieser Erschöpfung führt?

Das ist im Endeffekt der Stress, den wir haben, den wir uns machen, der, der heutzutage eins der Hauptrisikofaktoren äußerlich ist, dafür, dass wir in diesen Strudel geraten.

Das Ding ist ja Stress ist etwas, was wir nicht einfach so aus unserem Leben verbannen können.

Wir haben Familie, wir haben gesagt, wir haben Freunde.

Workouts Selbstentwicklung.

Es stresst mich schon wieder, wenn ich nur darüber nachdenke.

Ich will mich jetzt hier in der Frankfurter Innenstadt mal mit ein paar Menschen darüber unterhalten, wie ausgebrannt, sie sich eigentlich so fühlen.

Und dafür habe ich was vorbereitet.

Entschuldigung, haben Sie kurz Zeit?

Alle im Stress.

Gestresste Leute in Frankfurt.

Keine Zeit, ge?

Ja. Ja, ja.

Arbeit. Arbeit. Arbeit.

Also, ich habe da ein paar Streichhölzer.

Die haben so unterschiedliche Level an abgebrannt sein.

Wo siehst du dich denn da so mit deinem Energielevel?

Ich würde sagen, ich habe heute auch echt einen guten Tag, tatsächlich vom Energielevel und mein Stress ist gerade wieder ein bisschen weniger geworden, deswegen würde ich wahrscheinlich sagen, eher da so.

Geh ruhig mal hier so, ja?

Ja. Das wär deiner? Ok.

Ja, ich merk schon, dass Stress schnell mir so zusetzt.

Das merkt man schon auch so mit Arbeit und Uni relativ viel.

Wenn du dich mit 25 hier siehst, hast du denn manchmal Angst?

Weißt du? Ja, auf jeden Fall.

Ja? Ganz voller Energie.

Ja doch.

Und fühlst du dich dann nicht manchmal gestresst?

Natürlich. Aber?

Es kommt auf die Phase an, Wenn ich dir sage, dass ein Viertel der Deutschen sich häufig gestresst fühlt.

Was denkst du dann?

Mich wundert es, dass es nur ein Viertel ist.

Echt? Ja, ich bin ja selber aus Spanien.

Und wenn ich jetzt mal die spanische, die deutsche Arbeitsmentalität vergleiche dann...

Mich wundert’s, dass das nur ein Viertel ist, sagen wir es so.

Und was glaubst du, können wir zum Beispiel von der spanischen Mentalität lernen?

Ich persönlich würde sagen, was ich an Spanien so sehr mag ist, dass es okay ist, auch mal zu sagen Jetzt ist Schluss.

Also, ich würde gern wissen, wie hoch ist dein Energielevel, wie ausgebrannt fühlst du dich?

Also, jetzt fühle ich mich wieder so.

Ja? Jetzt fühle ich mich wieder gut.

Vor ein paar Monaten war es auf jeden Fall schlimm.

Warum? Ach, verschiedene Gründe.

Aber es war auf jeden Fall der Stress auf der Arbeit.

Und die Arbeitszeiten und fehlende Wertschätzung.

Da denkst du dir irgendwann, ne komm.

Wie wir in Bayern sagen: Leckt’s mich am Arsch.

Genau! Und das hast du dann gemacht.

Ja, genau. Und dein Leben verändert.

Cool.

Also war selbstgewählte Arbeitslosigkeit und bin jetzt aber wieder bald im neuen Job und werde dann aber versuchen, ein bisschen achtsamer mit allem umzugehen.

Wo seht ihr euch denn hier?

Also seid ihr noch voller Energie oder fühlt ihr euch vielleicht schon ausgebrannt?

Und was sind so die Faktoren, die euch die Energie rauben?

Und wie verhindert ihr, dass ihr von dem Zustand in den geratet?

Also wie laden ihr die Batterien auch wieder auf?

Schreibt mir das total gerne mal in die Kommentare und lasst uns auch gerne ein Abo da.

Stress und schlechte Gesundheit hängen eng miteinander zusammen.

Aber wie genau ist da der Mechanismus?

Und was ist Stress eigentlich?

Psychologisch gesehen kann man sagen: Stress, das ist eine unangenehme Situation, in der wir das Gefühl haben, dass unsere Ressourcen nicht ausreichen, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Und diese Situation, die verändert auch Prozesse in unserem Körper.

Biologisch gesehen ist ein akuter Stressreiz erst mal nicht so schlimm.

Unser Körper reagiert darauf, indem er quasi uns in die Situation versetzt, mit der potenziellen Gefahr auch umzugehen.

Also unser Nervensystem und Hormone wie Cortisol und Adrenalin versetzen den Körper in einen aktivierten Zustand, die Muskeln werden besser durchblutet, das Herz schlägt schneller usw.

Auf Dauer gesehen ist aber ein solcher Zustand für den Körper natürlich anstrengend und das kann uns schaden.

Bei Stressphasen, die eben wirklich enorm lange andauern.

Und das tun die ja, also selbst wenn die Stressoren nicht so massiv sind, was im Körper passiert ist das gleiche wie bei massiveren Stressoren, dass wir immer diese erhöhten Stresshormone haben.

Und das führt im Endeffekt dazu, dass die Stressachse sich sozusagen runter reguliert.

Hormone sind ja die Botenstoffe, die dann an Rezeptoren binden, um zum Beispiel bestimmten Organen ein Signal zu geben.

Jetzt machen wir mal ein bisschen mehr Herzschlag oder ein bisschen weniger und der Körper kann das regulieren, wenn er merkt, da sind die ganze Zeit, ganz viel Botenstoffe, dann werden die Rezeptoren einfach so, dass sie nicht mehr so doll darauf reagieren, um wieder mehr Gleichgewicht herzustellen.

Um diese Homöostase nennt man das, um diese Balance aufrechtzuerhalten.

Das heißt, ich komme dann eigentlich von einem Zustand, ich habe Mikro-Stressoren um mich herum.

Ich sage jetzt mal den Stau, den merkt man vielleicht gar nicht, dass der so doll Stress ist.

Aber ist er dann doch. Daily Hassles.

Daily Hassles.

Ja, okay, sehr schön.

Dann habe ich erst zu viel Energie.

Das muss irgendwo hin und dann geht der Körper runter.

Im Endeffekt als Schutzfunktion. Als Schutzfunktion, okay.

Wenn ich dann aber wieder Energie brauche für irgendwas, kriege ich sie nicht so leicht zugänglich.

Genau. Das kann man schon auch wieder umstellen, das System. Aber das dauert eben und das ist nichts,

das System. Aber das dauert eben und das ist nichts, was man so einfach kontrolliert.

Dann muss man eben wirklich auch was das Leben verändern.

Was würdest du denn sagen, sind die Sachen, die uns eigentlich mit am meisten stressen Unkontrollierbarkeit und überhaupt Neuartigkeit.

Und ganz zentral ist, dass es das eigene Ego bedroht.

Also wenn dieses Bild, das ich von mir gerne nach außen tragen will, wenn das bedroht wird.

Und das ist ja eigentlich von viel abhängig, was ich gar nicht kontrollieren kann.

Auf jeden Fall.

Wenn ich meinen Arbeitsplatz verliere oder?

Also das habe ich ja gar nicht so in der Hand, dieses Bild unbedingt.

Warum fällt es Menschen denn so schwer, wenn sie schon merken, sie haben vielleicht erste Symptome auszusteigen aus diesem Stress- Leistungskreislauf?

Also es gibt ganz viele Facetten, unter denen wir das jetzt betrachten können.

Jemand, der ständig auf sich selbst achtgibt und sagt: “Na, jetzt brauche ich aber ne Pause.” Der wird halt auch schnell als jemand wahrgenommen, der nicht genug gibt.

Und und das, das will man, muss man erst mal aushalten, das potenziell zu sein.

Dann ist es aber glaube ich auch, dass man am sich gewöhnt an diesen, an diese Schnelligkeit.

Wahrscheinlich kennen viele dieses befriedigende Gefühl von der To-do-Liste was wegzustreichen.

Und manchmal ist es ja sogar geht es ja sogar so weit, dass, was auf der To-do-Liste nicht drauf steht und ich habe es gerade gemacht und dann muss ich es draufschreiben, Damit ich es wegstreichen kann. Ja, das mach ich auch.

Oh Gott, ich fühle mich ertappt.

Also das sind eben die Momente, wo man sich selbst bestätigen kann.

Ich habe zwar wahnsinnig Stress, aber ich habe auch das geschafft und das geschafft und das geschafft und das geschafft.

Und wenn das plötzlich wegfällt, dann, dann fällt man schon auch in so ein Loch.

Wenn man über Burnout liest, dann findet man ja auch raus, dass das eigentlich so ein Prozess ist, von total hohes Engagement bis hin zu dieser, diesem Erschöpfungszustand.

Wie würdest du da so deine Reise beschreiben?

Also ich glaube, um irgendwie meine Reise verstehen zu können, muss man so ein bisschen auch in die Kindheit zurückgehen.

Also ich habe türkisch-kurdische Wurzeln und bin in der Türkei auf die Welt gekommen.

Als ich drei Jahre alt war, beschlossen meine Eltern nach Deutschland zu kommen, um uns einfach ein besseres Leben zu ermöglichen.

Und so sind halt meine Eltern damals mit zwei kleinen Kindern, mit mir und meiner jüngeren Schwester zwei Koffern und 500 Mark in der Tasche nach Deutschland gekommen und...

Ja...So...

Also wenn man sich das mal vorstellt, die sind in ein Land gekommen, wo sie weder die Sprache kannten noch die Kultur und so haben wir halt zehn Jahre in einem Asylantenheim gelebt und ich glaube, das macht halt auch was mit einem, wenn man halt weiß okay die Eltern sind für dich also für uns nach Deutschland gekommen und dann muss man halt, also was heißt muss, man übernimmt halt so viel Verantwortung.

Auch im Kindesalter, weil du bist die erste, die die Sprache lernt.

Also als Kind lernt man in Sprache einfacher und dann geht man mit den Eltern zu Ärzten im Grundschulalter und übersetzt man Briefe.

Oder man geht zu seinen eigenen Elternabenden.

Und ich glaube, das macht halt auch was mit einem, wenn man als Kind schon so viel Verantwortung übernimmt.

Nicht, dass man Eltern das mehr aufgesetzt haben oder bewusst gemacht haben, um Gottes Willen.

Aber du hast halt einfach, weil du halt merkst, okay deine Eltern können die Sprache nicht, deswegen machst du es. Heute können sie die.

Ich bin auch sehr froh darüber, aber das macht halt was mit einem.

Und du kriegst halt das Gefühl, du gehörst nicht dazu und du bist Mensch zweiter Klasse.

Ist das nicht auch so ein zweischneidiges Schwert?

Man will eigentlich was erreichen und dabei vergisst man vielleicht, Pausen zu machen oder...

Total. Wie siehst du das heute?

Also ich würde sagen, mein Leben war ein Hürdenlauf.

Also ich bin von einer Hürde zur nächsten und zur nächsten.

Ich hab mir nie die Zeit genommen zu regenerieren.

Ich habe es aber auch nicht gelernt.

Ich glaube, das ist auch.

So ein bisschen ein kulturelles Ding, wenn man mal betrachtet, dass meine Eltern andere Sorgen hatten, statt sich um ihre psychische Gesundheit irgendwie zu kümmern, oder?

Ja, also ich kenn sehr wenige Menschen, die aus meiner Kultur kommen oder stammen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Regenerieren, mal eine Pause machen, nichts tun.

Eigentlich klingt das ja so leicht, aber wie oft machen wir das in unserem Alltag wirklich?

Wir probieren es hier, in der Frankfurter Innenstadt mal aus.

Na gut, dann stelle ich mal den Timer und du darfst tagträumen.

Drei Minuten sind länger als man sich es vorstellt.

Schon, ne?

Ja schon.

Ich hätte jetzt gesagt, das wären sechs, sieben Minuten gewesen, so.

Ja.

Wie fühlst du dich denn jetzt, nach den drei Minuten irgendwie anders als vorher?

Ja bestimmt.

Also, ich glaube, man nimmt sich im Alltag schon wenig Zeit.

So in der Gesamtheit, glaube ich, würde ich...

nehme ich mir schon vor, oder würde ich das glaube ich gerne ändern.

Ja, mal mehr eine aktive Pause zu machen.

Vielleicht eher eine Aktivität, die mich wirklich erholt.

Und das tut das Handy oder soziale Medien natürlich nur sehr, sehr, sehr bedingt.

Man muss aber mit sich selber klarkommen.

Also Gedanken kommen lassen und gehen lassen.

Sehr wichtig.

Ich glaube, dass das viele Menschen nicht können und nicht gelernt haben.

Ich auch teilweise nicht. Und dann...

Man hat ja wenig Entspannungsphasen.

Also viele Menschen greifen zum Sport eben viele auch zum Alkohol. Also hier in Frankfurt ist das ein großes Ding, nach Feierabend dann was trinken zu gehen und das stresst den Körper ja nur noch mehr.

Wann macht man denn mal so wirklich gar nichts?

Meistens ist es doch so, dass wir selbst unsere Ruhepausen noch versuchen zu optimieren, oder?

Dieses Nichtstun wie das hier, das hat schon immer so einen besonderen Vorteil, weil unser Geist da quasi so frei schweifen darf.

Und das fördert Entspannung und Kreativität.

In unserem Gehirn wird dabei nämlich das sogenannte Default-Mode-Network aktiver und das Kontrollnetzwerk geht gleichzeitig runter in der Aktivität.

Das ist ein Netzwerk, das normalerweise sehr aktiv ist, wenn wir bewusst denken, also zum Beispiel Entscheidungen treffen und das frisst Energie mit einem aktiveren Default-Mode-Network wie beim Tagträumen oder eben Nichtstun da.

Da können wir mentale Prozesse neu ordnen, emotionale Eindrücke verarbeiten, und regenerieren.

Und häufig ist es sogar so, wenn wir Probleme mal ruhen lassen und einfach die Gedanken schweifen dürfen, an, kommen wir gerade auf gute Lösungsansätze.

Deswegen haben wir häufig so kleine Geistesblitze beim Joggen oder Duschen.

Laut einer aktuellen Studie fühlen sich knapp über die Hälfte der Deutschen erschöpft.

Ich meine, wenn sich so viele Menschen erschöpft fühlen, dann muss dahinter doch mehr stecken als einfach nur, dass einige von uns eben verlernt haben sich mal eine Pause zu gönnen, oder?

Ich frage mich, woher kommt denn diese Energielosigkeit?

Und steckt dahinter nicht vielleicht ein viel größeres gesellschaftliches Problem?

Darüber möchte ich mit der Kulturhistorikerin und Burnout Coach Anna Schaffner sprechen.

Man hat ja das Gefühl, wir leben in einer Zeit, wo wir irgendwie.

Wir haben Krisen, wir haben diesen Wachstumsgedanken, wir haben diese süchtig machenden Handys ständig um uns herum.

Würdest du sagen, das so eine Art kollektive Erschöpfung ein Phänomen unserer Zeit ist?

Ich glaube schon, dass ganz viele von uns unter Burnout leiden, einfach dadurch, dass wir permanent erreichbar sind und dass die Arbeit wirklich in unser Alltagsleben rein blutet und die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer poröser werden.

Aber das Interessante ist auch, dass Erschöpfung wirklich kein neoliberales Phänomen ist, sondern dass die Menschen immer schon mit der Erschöpfung gekämpft haben und sich immer schon über die Erschöpfung auch Sorgen gemacht haben.

Das find ich irgendwie ein bisschen beruhigend, oder?

Also, dass das eben weil man hat ja manchmal das Gefühl, okay, es wird ja immer schlimmer.

Kein Wunder, dass wir alle die Batterie leer haben.

Finde ich auch.

Ich finde, das gehört zum Menschsein mit dazu, dass man sich Sorgen macht um die Energie und dass man die Energie auch pflegen möchte, dass man gut mit der Energie haushalten möchte und dass man Angst hat vorm Älterwerden.

Vorm krank werden, vom schwach werden und vorm Sterben oder vorm Schwinden des eigenen Engagements.

Burn out ist ja per Definition auch etwas, was durch Stress, durch Arbeit bedingt ist.

Was glaubst du, ist das Problem, das wir mit unserer Work-Life-Balance haben?

Ja, ich glaube, dass in unserem Zeitalter die Arbeit wirklich komplett überbewertet ist und überdeterminiert ist.

Wir erwarten uns einfach viel zu viel von der Arbeit.

Wir erwarten uns nicht mehr nur Einkommen und Status, sondern wir erwarten uns, dass die Arbeit uns Gemeinschaft stiftet, dass sie unsere Identität legitimisiert.

Wir haben fast eine Heilserwartung an die Arbeit und deswegen ist es auch so schlimm, wenn wir an der Arbeit leiden.

Dann beeinflusst das ganz viele Bereiche unseres Lebens.

Und was würdest du jemandem sagen, der vielleicht eine Situation ist oder so ein bisschen auf dem Weg dahin?

Ich glaube, das Wichtigste ist wirklich, sich bewusst zu machen, was einem gut tut, wann man sich lebendig fühlt und davon wieder mehr ins Leben reinzubringen.

Also ein Mehr statt ein weniger. Ein mehr statt ein weniger.

Schön.

Ja, wo können wir als Gesellschaft im besten Fall hinkommen?

Ich glaube, dass eine gute Work-Life-Balance irgendwann wieder mehr zum Statussymbol werden wird, wenn man das wieder schafft.

Entgegen aller äußeren, widrigen Umstände.

Das ist ein toller Gedanke.

Das sich überarbeiten ist das neue Rauchen.

Wir wollen es einfach nicht mehr. Es tut uns nicht gut.

Ungut.

Fatma nimmt mich mit in ihren Garten.

Was hat ihr geholfen, aus dem Burnout rauszukommen?

Und wie schöpft sie heute Energie?

Wie oft bist du denn hier im Garten?

Fast täglich. Ja?

Ja, als Kind waren wir viel draußen.

Und ich erinnere mich, wie wir immer auf Bäume klettert sind oder irgendwie Kirschen gepflückt haben.

Und so bin ich dann wieder zurück zur Natur gekommen.

Voll schön.

Wie würdest du denn deinen Weg raus aus dem Burn out beschreiben?

Der wichtigste Schritt war Therapie, würde ich sagen.

Und natürlich auch der Support von meiner Familie und meinem Umfeld.

Das hat mir wirklich sehr geholfen.

An was hast du in der Therapie gearbeitet?

Ich glaube zu lernen, auf sich selbst zu achten, Grenzen zu setzen, auch auf seine innere Stimme zu hören und auf seinen Körper zu hören.

Ich glaube, das ist sehr wichtig.

Wie ist es denn heute?

Also hast du heute so einen besseren inneren pH-Wertmesser dafür, wie es dir geht, sage ich jetzt mal?

Ja, auf jeden Fall.

Also ich glaube, ich kann jetzt viel besser Situationen einschätzen und auch viel besser priorisieren.

Damals war alles immer gleich wichtig und heute weiß ich auch eins nach dem anderen.

Alles ist gut.

Step by step.

Das Wichtigste ist deine Gesundheit.

Nur wenn du gesund bist, kannst du auch weitermachen.

Oder kannst du arbeiten.

Glücklich sein, Zeit mit deinen Liebsten verbringen.

Und das ist, das ist mir sehr bewusst geworden und das hat ja auch viel mit Selbstwert zu tun.

Ich glaube, das war...sehr wichtig. Ja.

Okay Konzentration.

Wie schaffen wir es, dass das Leben uns nicht in die völlige Erschöpfung treibt?

Ich glaub, es ist so eine Mischung aus inneren und äußeren Faktoren.

Für uns selbst.

Klar, da können wir irgendwie schaffen, dass wir uns mehr Ruhepausen gönnen.

So kleine Ruheinseln im Alltag schaffen und vielleicht auch die eigenen Warnzeichen besser lesen lernen.

Also wann bin ich denn kurz vor der Erschöpfung.

Und ich habe auch gelernt, dass es hilft, den eigenen Selbstwert nicht so sehr von der Leistung abhängig zu machen.

Nicht so sehr davon, was wir erreicht haben, welche Jobs wir so haben, uns da vielleicht ein bisschen weniger zu identifizieren.

Auf der anderen Seite finde ich aber auch, dass Menschen, die, die wirklich für eine Sache brennen, solche Idealisten, die sind ja auch total wertvoll für eine Gesellschaft.

Und ich glaube, dass wir als Gesellschaft dann aber auch die Strukturen schaffen müssen, damit diese Menschen nicht an ihrem Idealismus scheitern.

Also dafür sorgen, dass eine bessere Work-Life-Balance möglich ist.

Weniger Zeitdruck und mehr Wertschätzung und Anerkennung am Arbeitsplatz.

Für mich persönlich nehme ich voll mit, dass manchmal hilft es, gar nicht weniger zu machen, sondern manchmal hilft es, mehr von dem zu machen, bei dem wir uns wirklich lebendig fühlen.

Ich persönlich ich schöpfe ja manchmal Energie, wenn ich mir schöne, inspirierende Dokus anschaue.

Deswegen falls ihr Lust habt, direkt weiter zu schauen, wenn euch das auch so geht, dann hätte ich hier eine Empfehlung für euch.

Da gibt es doch ein schönes Video.

All unsere Staffeln von Terra Xplore könnt ihr im ZDF streamen.

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